Quelle: Frank Okay (Unsplash)
Norwegen gehört zu den Ländern, die weltweit am meisten streamen.
Wir schauen heute mal auf eine andere Art von Verbindung: Die zwischen uns und unseren Bildschirmen. Als Übersetzerin für norwegische Filme und Serien beobachte ich nicht nur die Geschichten, die erzählt werden, sondern auch, wie diese konsumiert werden. Und da gibt es sowohl spannende Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede zwischen uns Deutschen und unseren norwegischen Nachbarn.
Mehr Streaming im Norden
Norweger sind echte Power-Streamer. Die Hälfte der norwegischen Bevölkerung streamt täglich, wobei die Altersgruppe zwischen 25 und 34 Jahren mit durchschnittlich 86 Minuten pro Tag die intensivsten Nutzer sind. Immerhin brachte es der Durchschnittsnorweger in 2024 auf ganze 10,5 Stunden pro Woche, fast zwei Stunden mehr Bildschirmzeit pro Woche zum Konsumieren von Videos und Sendungen, als es nach einer Umfrage des Branchenverbands Bitkom e.V. im selben Jahr in Deutschland waren.
Führende Streaming-Plattform in Norwegen bleibt laut Norwegischem Medienbarometer 2025 Netflix mit 70 % Abonnement-Besitz, gefolgt von TV2 Play (54 %) und NRK TV, das besonders bei älteren Zuschauern beliebt ist.

Insgesamt verfügen 90 % der Norweger über mindestens ein Streaming-Abonnement.
Am Fjord lieber auf Englisch
In Deutschland erwarten wir, dass die Stimme im Ohr sitzt, bevor das Bild überhaupt richtig verarbeitet wird. Wir wollen die Geschichte in unserer Muttersprache erleben, ohne Untertitel lesen zu müssen. Rund 90% der englischsprachigen Originale werden laut Branchenschätzung auf Deutsch synchronisiert angeboten.
Die deutsche Dubbing-Kultur und Kunst des Synchronisierens würdigte Grete Strøm vom Norwegischen Fernsehsender NRK sogar in einem eigenen Feature – nicht ganz unironisch, allerdings. In Norwegen ist man flexibel und schaut sowieso am liebsten das meist englischsprachige Original.
Gute Geschichten dürfen etwas kosten
Leider ist auch Norwegen nicht von den allgemeinen Preissteigerungen verschont geblieben. Gute Geschichten und Unterhaltung dürfen aber dennoch etwas kosten: Gemäß Nordisk Film og TV Fond und einer aktuellen Analyse des schwedischen Medien-Trendbüro Mediavision war einem durchschnittlichen norwegischen Haushalt der Konsum von Streaming-Medien in 2025 ganze 670 NOK (umgerechnet rund 60 Euro) pro Monat wert.
Alle Achtung! In Deutschland waren es dagegen mit 17,50 Euro weniger als ein Drittel, das durchschnittlich fürs Streaming ausgegeben wurde.


